Erklärung der Plattform

Der Rohrspitz ist unser aller Naturschutzgebiet und soll nicht noch weiter den geschäftlichen Interessen einiger Weniger geopfert werden. Die Fehler der Vergangenheit können jetzt nicht mehr rückgängig gemacht werden, aber neue können verhindert werden.

Wir fordern daher von allen Beteiligten: „Respektiert eure und unsere Grenzen!“
Die Plattform ist nicht grundsätzlich gegen einen Neubau und gegen Verbesserungen im Rahmen einer Bestandsregelung für das bestehende Restaurant. Eine Ausweitung der bestehenden Geschäftsfelder lehnen die Mitglieder der Plattform aber entschieden ab.
Eichelhäher, Thomas Herzog

Plattform "Unser Rohrspitz"

  • Angelika Felder
  • Brigitte Hollenstein (Höchst)
  • Elke Wörndle (Fußach)
  • Esther Kaufmannn (Dornbirn)
  • Ferdinand Lerbscher (Höchst)
  • Florian Gerer (Fußach)
  • Franz Ströhle (Dalaas)
  • Gerhard Kaufmann (Dornbirn)
  • Hanspeter Lutz (Höchst)
  • Helga Pfeiffer (Höchst)
  • Helmut Kaufmann (Dornbirn)
  • Hildegard Breiner (Bregenz)
  • Katharina Lins (Dornbirn)
  • Kurt Neunkirchner(Fußach)
  • Lothar Petter (Dornbirn)
  • Silke Gerer (Fußach)
  • Thomas Bösch (Fußach)
  • Verena Felder (Fußach)


29.12.9999 Wie alles begann

Daß die Ausbaupläne vor Baubeginn öffentlich wurden, war eigentlich nicht geplant.
Bereits seit 2007 liefen Gespräche mit den Behörden, und die Umwidmung in FS Marina durch die Gemeinde Fußach hatte im Dezember 2009 die erste Instanz fast reibungslos durchschritten.
Doch im politisch weit aufgeklärteren Höchst begann es zum selben Zeitpunkt zu brodeln. Es regte sich Widerstand gegen die Einrichtung einer Deponie in einem Höchster Wäldchen. Man fragte, wofür die Deponie gedacht sei und bekam Antwort:
Für das Aushubmaterial des geplanten Ausbaus am Rohrspitz.
Proteste bei der kommissionellen Verhandlung am 22.2.2010Formation der Projektgegner im Rahmen der kommissionellen Verhandlung am Rohrspitz (22.02.2010) © VMH

Von einer Ufersanierung war also ursprünglich keine Rede.
Und just dem Umstand, daß man den Aushub im politisch aktiven Höchst deponieren wollte, verdanken wir es, daß die Tatsachen nun langsam ihren Weg ans Licht der Öffentlichkeit fanden.

So hatte sich am 22.02.2010 bereits eine kleine Gruppe von Gegnern um Ferdinand Lerbscher versammelt,
die vorort den Teilnehmern der kommissionellen Verhandlung gegenüberstanden. Eine skurrile Situation.
Fast wie scheue Rehe rotteten sich die dunkel gekleideten Herren zu einem Haufen in sicherem Abstand zusammen und beobachteten skeptisch das bunte Treiben von Müttern, Fahrradfahren, Individualisten und Plakathaltern jenseits der Schranke.
Es war still. Nach einiger Zeit löste sich der von der BH entsandte Verhandlungsleiter Dr. Edmund Kräutler aus dem Knäuel von Politikern, Bauunternehmern und Sachverständigen
und kam auf uns zu, um uns darauf hinzuweisen, daß wir kein Recht hätten an der Verhandlung teilzunehmen.

Eine Niederlage für die Demokratie. Wir zogen von dannen. Ohne Parteistellung haben Kritiker in vielen Fällen kein Recht auf Akteneinsicht. Und besonders in Sachen Naturschutz fehlt bei Verfahren nach wie vor oft die rechtliche Interessensvertretung. Auch die engagierte Naturschutzanwältin Katharina Lins hatte im Verfahren keine Parteistellung, aber immerhin Akteneinsicht. Und das war unser Glück. Denn auch sie kam zur Gründung der Plattform "Unser Rohrspitz" am 05.03.2010 im Dachgeschoß der "Alten Schule" in Höchst.
Und so kam das ganze langsam ins Laufen. Mit dem großartigen Erfahrungsschatz von Frau Hildegard Breiner, die sich seit Jahrzehnten klug, diplomatisch und eloquent für Naturschutzbelange einsetzt, der Rechtsexpertise von Helmut Kaufmann, der eine Hütte am Rohrspitz besitzt und seit Jahren mit Unbill das Treiben des Salzmann-Geschlechtes beobachtet, vor allem aber mit dem strukturellen Hintergrund von "Höchste Zeit" Obmann Ferdinand Lerbscher waren wir nun gewappnet, in eine längere Auseinandersetzung einzutreten.
Projektgegner bei der 2. Umwidmung durch die GV Fußach (04.05.2010)Die Projektgegner bei der 2. Umwidmung FS Marina durch die GV Fußach am 04.05.2010 © VN/Philipp Steurer

Bericht von Elke Wörndle

 



Gründer-Statements

Eigentlich...

...kann man dem Herrn Salzmann gar keinen Vorwurf machen. Er tut was die meisten tun: Er schaut auf sich selbst. Auch daß er sein Image pflegt, indem er seine Deals mit dem Land als eigeninitiative Gefälligkeit für Bevölkerung und Naturschutz verkauft, ist ihm kaum vorzuwerfen. Wer von uns versucht nicht in gutem Lichte dazustehen? Und man kann wohl nicht von jedem verlangen, daß er einen Begriff von den Ideen hat, die unserer Gesellschaft zugrunde liegen. Umso wichtiger wäre es aber, sich an die rechtlich verankerten Spielregeln zu halten und jedes erdenkliche Mittel auszuschöpfen, um Maßnahmen auf ihren Sinn und Charakter zu überprüfen bevor man sie umsetzt. Ich mache den Vorwurf daher mit aller Vehemenz den (un-)verantwortlichen Politikern, die Recht offenbar vor allem als Entschuldigung, nicht aber als Selbstverpflichtung verstehen. Ich mache den Vorwurf einer Politik, die sich mit solchen Deals nicht nur ihrem Auftrag entzieht, sondern auch Recht umgeht und infolge ein Volk erzieht, das nicht mehr an Recht und an Solidarität glaubt. Und als Fußacherin mache ich den Vorwurf namentlich der Mehrheit unserer Gemeindevertreter und ihrem Häuptling, der selbstvergessen von einer Gefälligkeit zur nächsten taumelt und sich dabei offenbar besonders darin gefällt, Macht zu demonstrieren, indem er Informationen zurückhält und Recht verbiegt, statt Entscheidungen durch kritisches Abwägen zu untermauern und auch im Halbdunkel der Kommunalpolitik verantwortlich zu handeln.

Plattform Statement von Elke Wörndle

 

Im Laufe der Jahre...

...entwickelte sich für mich der „Salzmann“ zu einem Tourismusunternehmen, das ich als Fußacherin meide, denn Salzmann am Rohrspitz bedeutet inzwischen: Restaurant mit 250 Sitzplätzen auf der Sonnenterasse mit wöchentlichen Musikevents im Sommer, Heimathafen für rund 190 Schiffe, Camping, Partyschiff MS Elisa, Wassersport, Kiosk und Unterhaltung und das alles mitten im Naturschutzgebiet Rheindelta. Welche Belastungen werden der Natur und der Umwelt am Rohrspitz noch zugemutet? Das Naturschutzgebiet am Rohrspitz ist ohne die Erweiterung des Tourismusbetriebes „Erlebnis Rohrspitz“ schon gefährdet und überbelastet. Der Rohrspitz braucht mehr als nur ein umweltfreundliches Management. Es braucht ein ehrliches Bekenntnis zum Naturschutz, auch wenn dies mit Einschränkungen verbunden ist. Der Rest sind Lippenbekenntnisse oder Imagepflege. Ich setze mich dafür ein, dass der Ausbreitung des Tourismusbetriebes „Erlebnis Rohrspitz“ Grenzen gesetzt werden.

Plattform Statement von Silke Gerer

 

Dank der Weitsicht früherer Generationen...

...haben wir am Österreichischen, am Vorarlberger Bodensee-Ufer das große Glück, dass es weitgehend unverbaut ist. Das Rheindelta ist das geliebte Naherholungsgebiet. Dass es sich auch um eines der wichtigsten Feuchtgebiete Mitteleuropas mit seltenen Pflanzen und Tieren handelt, ist Wenigen bewusst. Es ist ja nicht „nur“ ein Naturschutzgebiet, sondern ist auch europäisches Natura-2000-Gebiet und Ramsar-Schutzgebiet von internationaler Bedeutung. Naturschutzgebiete sind immer auch kostbare „Seelenschutzgebiete“. Hier sind die Interessen der Naturschützer und der Naturnützer mit hoher Verantwortung abzuwägen. Am Rohrspitz geht es für uns im Grunde darum, dass keine Flächenumwidmung in "FS Marina" stattfindet und dass die Gesetze und Verordnungen für alle gleich strikt gelten müssen.

Plattform Statement von Hildegard Breiner

 

Ich bin eine Einheimische,..

...eine Höchsterin, Helga Pfeiffer, ich habe meine Kindheit im Sommer am Rohrspitz verbracht. Meine Bindung an diese Landschaft ist eine dementsprechend intensive. Ich glaube auch, dass meine Liebe zur Natur hier ihre Wurzeln hat. Unseren Vorfahren bin ich für ihren Weitblick dankbar, dieses Gebiet unter Schutz zu stellen. Meine Hochachtung! Ein Weitblick, der heute leider keine politischen Nachfolger mehr zu haben scheint. Während das gemeine Volk immer restriktiver in die Grenzen verwiesen wird, darf sich Herr Salzmann in einem riesigen Bauprojekt über alle Beschränkungen, auch das rigorose Bauverbot, das für alle anderen gilt, hinwegsetzen. Ein Bauprojekt von über 8 Mill. Euro steht kurz vor der Genehmigung, und das in einem Gebiet, von dem die BH Bregenz in ihrer Aufklärungsschrift über das Naturschutzgebiet Rheindelta schreibt: „Wir ersuchen Sie, Ihre Verhaltensweise dem Charakter und der Einmaligkeit dieses sehr wertvollen Uferabschnittes anzupassen und jegliche Störung zu vermeiden.“ Diese Art sich über die Bevölkerung hinwegzusetzen, ja, sie offensichtlich zu verhöhnen, indem gezeigt wird, dass Leute, die Geld haben auch mehr Rechte haben, widerspricht dem Gleichheitsgrundsatz in unserer Verfassung und unterhöhlt das Vertrauen in die Rechtmäßigkeit unserer Demokratie. Und weil ich die weitsichtigen Vorfahren nicht vergessen habe, setze ich mich für unseren Rohrspitz ein, auf dass er nicht zu einem Rummelplatz verkomme!

Plattform Statement von Helga Pfeiffer

 

Die Größe einer Nation...

...und ihr moralischer Fortschritt kann danach beurteilt werden, wie Tiere und die Natur behandelt werden. (Mahatma Gandhi) Beim Rohrspitz wird immerzu von Gewinn geredet, aber wessen? Wirtschaftliche Nutzung der Natur bringt lediglich einer konsum- und unterhaltungsorientierten Gesellschaft einen Gewinn. Die Gesellschaft muss anfangen die Natur und das mit ihr verbundene Leben zu respektieren, wertschätzen und nicht als selbstverständlich anzunehmen. Es ist ein Privileg und keine Selbstverständlichkeit ein solches Naturparadies direkt vor der „Haustüre“ zu haben. Diese Natur ist nicht nur unser Erholungs- und Lebensraum, sondern auch der einer großen Artenvielfalt. Dies darf nicht aus irgendwelchen kapitalistischen Gründen oder auch aus Prestigegründen zerstört werden. Der Rohrspitz und sein dazugehörendes Naturschutzgebiet ist ein kulturelles Erbe, welches auch für nachkommende Generationen in dieser Form erhalten bleiben muss. Wir müssen uns vor Augen halten, dass die Natur ohne uns leben kann, wir aber nicht ohne die Natur!

Plattform Statement von Florian Gerer